Über die Wirkung von Alkohol

Im nachfolgenden Blog-Artikel möchten wir die oft gestellte Frage beantworten, warum das Messergebnis Ihres Atemalkoholgehalts in vielen Fällen anders als vermutet ausfällt. 
Dabei zeigt sich, dass so manche Binsenweisheit vollkommen überholt ist und dass virtuelle Promille-Rechner niemals realitätsnahe Richtwerte liefern können – dazu müssten die Auswertungen nämlich um ein Vielfaches komplexer aufgebaut sein.

Vielfältige Einflussfaktoren auf die Höhe des Messwertes
Das Wichtigste zuerst: Alkohol wirkt auf jedes Individuum komplett unterschiedlich. Der Promillewert hängt nämlich von enorm vielen verschiedenen Faktoren ab, zu denen neben dem Geschlecht, Alter, Körpergröße und -gewicht auch der Körperfettanteil sowie die Höhe des Anteils an Körperflüssigkeit zählen. 

 

Darüber hinaus ist auch der allgemeine physische und psychische Zustand bzw. die jeweilige Tagesverfassung zu berücksichtigen. Des Weiteren können die Art der Mahlzeiten vor dem Test (Art des Inhalts und Füllstand des Magens) und die Einnahme von Medikamenten den Messwert beeinflussen. Zu den weiteren Faktoren gehören natürlich die Getränkeart (Prozentanteil des Alkoholgehaltes im Getränk sowie dessen Kohlensäure- und Zuckergehalt), die Trinkgeschwindigkeit und die von der Testperson abhängige, individuelle Dauer in Bezug auf den Alkohol-Aufbau bzw. den Alkohol-Abbau im Körper. 

Manche Menschen haben schnell einen erhöhten Alkoholgehalt im Blut, bei anderen dauert es länger bis eine Alkoholisierung feststellbar ist. Etwa 40-50% des konsumierten Alkohols befinden sich innerhalb von 15 Minuten im Körper, nach 30 Minuten sind es 65% und nach spätestens 70 Minuten ist der zuvor konsumierte Alkohol zu 100% im Körper aufgenommen.
Zu beachten ist dabei aber auch, dass manche Menschen – teils genetisch bedingt – den  Alkoholgehalt im Blut schnell wieder abbauen, wogegen andere auch nach einem längeren Zeitraum noch einen erhöhten Alkoholgehalt im Blut aufweisen. 

Der Alkoholabbau

Alkohol wird vom durchfließenden Blut im gesamten Verdauungstrakt, beginnend mit der Mundschleimhaut, sehr gut aufgenommen. Das Blut fließt anschließend von der Leber zum Herzen und verteilt den konsumierten Alkohol im gesamten Körper. Über die Mundschleimhaut werden besonders schnell hohe Alkoholblutwerte erreicht, da der Alkohol hier die Leber umgeht.

Es gibt mehrere Faktoren, die den Aufbau verzögern oder beschleunigen. So wird die Alkoholresorption durch warmen Alkohol (z.B. Glühwein), durch Zuckerzusatz (z.B. Likör) und durch Kohlensäure (z.B. Sekt) wegen der verstärkten Magen-Darm-Durchblutung beschleunigt. Hingegen vermindern Nahrungsaufnahme, insbesondere Fette und Proteine die Geschwindigkeit der Alkoholresorption. 

Nahrungsmittel erweisen sich als größter Einflussfaktor auf den persönlichen Alkoholspiegel. Wer keine festen Nahrungsmittel aufnimmt, bei dem gelangt Alkohol schneller ins Blut. Fettiges Essen hingegen sorgt für eine Verlangsamung der Aufnahme. Durch die zeitliche Streckung verringert sich der maximale Blutalkoholgehalt, die endgültige Aufnahme bleibt aber dieselbe, sie geschieht nur langsamer.

Wie zuvor erwähnt, wird Alkohol nach seiner Aufnahme über das Blut zur Leber transportiert und dort mit Hilfe von Enzymen wieder abgebaut. Nur ein geringer Alkoholanteil wird über Atem, Haut, Urin oder Stuhl direkt ausgeschieden. Bei manchen Menschen ist das Enzym zum Alkoholabbau nur geringfügig vorhanden oder inaktiv, sie vertragen Alkohol deshalb kaum bzw. nicht. Männer können zwischen 0,1 und bis zu 0,2 Promille pro Stunde abbauen, Frauen in der Regel zwischen 0,08 und 0,1 Promille pro Stunde. Allerdings sind bei sportlich besonders aktiven Menschen sogar Abbauwerte von bis zu 0,3 Promille pro Stunde möglich.

Fazit

Die Methode des Auf- und Abbaus von Alkohol ist stets die gleiche, aber jeder Mensch ist eben von Natur aus verschieden. Vielfältige Faktoren wie beispielsweise Nahrungsmittel, Körpergewicht, Wassergehalt im Körper und unterschiedliche Abbaugeschwindigkeiten der Leber machen (individuelle) Schätzungen sehr schwierig.
Im Allgemeinen wirkt Alkohol bei Frauen stärker als bei Männern: Sie zeigen schon nach geringen Mengen deutliche Anzeichen einer Berauschung und entwickeln auch schneller körperliche Folgeschäden wie Leberzirrhose und Herzprobleme. Doch die weit verbreitete Meinung, der weibliche Körper reagiere prinzipiell empfindlicher auf das Rauschmittel als der männliche, muss aus diesem Grund nicht stimmen.

Was den beruhigenden Effekt des Alkohols angeht, so sind Frauen oftmals widerstandsfähiger als Männer. Frauen reagieren vor allem deshalb stärker auf Alkohol, weil sie im Durchschnitt kleiner sind als Männer und im Verhältnis mehr Alkohol pro Kilogramm ihres Körpergewichts zu sich nehmen. 
Es gibt somit geschlechtsspezifische Unterschiede in der körperlichen Verarbeitung von Alkohol – so ist in den Mägen von Frauen zum Beispiel das abbauende Enzym Alkohol-Dehydrogenase weniger aktiv als bei Männern. Doch dieses Kriterium ist im Vergleich zum maßgeblicheren Einfluss des Körpergewichts ein eher kleiner Faktor.