Die Geschichte des Alkoholtesters: Von den 30ern bis heute

 



Alkoholtester werden bereits seit den 50ern verwendet, doch ihre Geschichte reicht lange zurück: Alkoholisierte Fahzeuglenker gibt es seit der Erfindung des Automobils...

 


Bereits in den 1920ern dachten Behörden darüber nach, wie man am besten überprüfen könne, ob oder so gar wie stark ein Autofahrer alkoholisiert ist.
Eine Blutabnahme mit nachfolgender Überprüfung war zeitaufwändig und ineffizient, während Urintests den tatsächlichen Alkoholisierungsgrad des Probanden nur unzureichend wiedergaben.
1927 führte Dr. Emil Bogen in Los Angeles Studien durch, in denen sich der Zusammenhang vom Alkohol im Blut sowie im Atem der Untersuchten herauskristallierte.
Sein Proto-Alkoholtest bestand aus einem Football, der mit gelben Chemikalien gefüllt war. Diese färbten sich blau oder grün, nachdem der Proband hineinblies.
Die Färbung verglich Bogen dann mit den Nuancen der selben Chemikalie, die er, jeweils mit unterschiedlichen Mengen Alkohol gemischt, in mehrere Reagenzgläser abgefüllt hatte.
Seine Methode war effektiv und auch präzise, aber für den Einsatz im täglichen Straßenverkehr immer noch kaum geeignet.
 

Das Drunk-O-Meter


Nachdem in den Vereinigten Staaten im Jahre 1933 die Prohibition für beendet erklärt wurde, stieg die Anzahl der Toten und Verletzten im Straßenverkehr stark an.
Gleichzeitig arbeitete Dr. Rolla Neil Harger an einem "Drunk-O-Meter", das 1938 zum ersten Mal von einer Behörde eingesetzt wurde: Der Indiana State Police.
Die Funktionsweise ähnelte Dr. Bogens Prototypen, die Effizienz konnte jedoch stark gesteigert werden.
1939 führten das amerikanische National Safety Council sowie die American Medical Association Richtlinien gegen Alkolenker ein, die mehr als 20 Jahre lang Gültigkeit behielten.
Als alkoholisiert wurden zu dieser Zeit Fahrer mit mehr als 1,5‰ im Blut betrachtet, während die Grenze in den USA heute bei 0,8‰ und in fast allen europäischen Ländern zwischen 0 und 0,5‰ liegt (siehe unseren Artikel zu Promillegrenzen in der EU).
In den 40ern wurde die Kritik am Drunk-O-Meter lauter und lauter, artikuliert wurde sie wohl vor allem von überführten Alkoholsündern, die sich nun ungerecht behandelt fühlten und die Funktionsweise von Hargers Gerät und dessen wissenschaftliche und somit juristische Validität in Frage stellten.
Diese Behauptungen wurden von Harger 1950 in einer neuen Studie widerlegt.
Ein Kritiker behauptete in einer Zeitschrift, dass zu wenig Sauerstoff zu einem falschen Positivergebnis führen würde, woraufhin Harger in einem aus heutiger Sicht mehr als makabren Experiment 50 Hasen ertränkte und danach Bluttests an ihnen durchführte (und somit die Funktionstüchtigkeit seines Geräts bewies).
 
 

Eine Erfindung schreibt Geschichte


Vier Jahre später erfand Robert F. Borkenstein den modernen, tragbaren Alkoholtester (engl.: breathalyzer).
Während seiner Arbeit als kriminologischer Fotograf in einem Polizeilabor kam er auf die geniale Idee, einen Alkoholtester zu bauen, dessen Funktionsweise auf photographischen Zellen beruhte.
Endlich hatten Polizisten ein Gerät, das präzise den Alkoholgehalt im Blut der Probanden messen konnte und dabei doch handlich und kompakt war!
Bevor tragbare Alkoholtester bei Polizeibeamten weite Verbreitung fanden, war es üblich, einen Fahrzeuglenker bei Verdacht auf Alkoholmissbrauch mit auf's Revier zu nehmen.
Schlief er ein, war seine Trunkenheit "bewiesen".
Eine tragbare Möglichkeit zur Überprüfung des Atemalkoholgehalts von Autofahrern (und anderen Personen) erwies sich als äußerst praktisch sowohl für die Polizei als auch für die Autofahrer, sodass die Alkoholtester der neuen Generation sich schnell rund um die Welt verbreiten konnten.
Dies führte auch zu zügigen technischen Weiterentwicklungen von verschiedensten nahmhaften Herstellern, so dass die "Breathalyzers" im Laufe der Jahrzehnte nicht nur kompakter, sondern auch immer genauer wurden.
 
 

Heutzutage verwenden Alkoholtester verschiedenste Technologien, sodass der risikobewusste Konsument zwischen Alkoholtestern mit güngstigen Halbleitersensoren, äußerst präzisen elektrochemischen Sensoren und weiteren Angeboten wählen kann.
Doch selbst die kleinen Röhrchen mit sich verfärbenden Chemikalien werden heute, wenn auch in der Größe stark reduziert und verbessert, immer noch verkauft.

 

Quellen und weiterführende Informationen:
Originalartikel auf Englisch
Gizmodo Paleofuture: Drunk Driving and The Pre-History of Breathalyzers von Matt Novak
Science Museum: Brought to Life – The History of Medicine: Breathalyzer
The New York Times: Robert F. Borkenstein, 89, Inventor of the Breathalyzer von Douglas Martin