Aufgepasst im Urlaub: Promillegrenzen in Europa



Wenn es um Alkohol geht, ist Europa laut WHO der Kontinent mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum. Ob beim Oktoberfest in Bayern oder in französischen Kellereien: Getrunken wird in allen EU-Ländern gerne, doch unterscheiden sich die Regelungen, wer danach noch in sein Auto steigen darf.


Die Obergrenzen des Alkoholisierungsgrades, über dem eine aktive Teilnahme am Straßenverkehr nicht mehr gestattet wird, gestalten sich zwar in der EU relativ einheitlich, doch das Strafmaß und die zusätzlichen Unterscheidungen variieren.
Die meisten Mitgliedsstaaten, darunter auch Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien setzen eine Grenze von 0,5‰ an.
Dieser Wert gilt grundsätzlich als Kompromiss zwischen den Befürwortern einer 0,8‰-Regelung und Unterstützern eines generellen Alkoholverbots, eine wissenschaftliche Basis gibt es hier nicht.
Schon bei weniger als 0,5 Promille verschlechtert sich das Hell-/Dunkel-Sehen, zudem sind Reaktions- und Adaptionsfähigkeit bereits stark beeinträchtigt.
Soll heißen, zu einer Routinetätigkeit wie dem nachhause Fahren mag der Lenker noch im Stande sein, doch bei unerwarteten Situationen wie plötzlich über die Straße laufenden Fußgängern reagieren auch „leicht“ alkoholisierte Autofahrer stark verlangsamt.
Ein Argument für ein generelles Alkoholverbot am Steuer sei zudem, dass es viel einfacher wäre, nichts zu trinken, als wenig zu trinken, so Präventionsexperte Johannes Lindenmeyer in einem Artikel der „Zeit“.
 
 

Differenzierte Strafen


Neben den Grenzen bezüglich des Promillewerts differenzieren die Gesetze der EU-Mitgliedsstaaten meistens auch bei der Ansetzung des Strafmaßes zwischen weiteren Faktoren, z.B. dem Alter des Fahrers, der Fahrzeugart, Alkoholmissbrauch während der Führerschein-Probezeit und bereits vorhandenen Vormerkdelikten.
Auch unterscheiden sich in den europäischen Ländern die Einstufung von Alkoholdelikten am Steuer als Ordnungswidrigkeit bzw. Strafbestand, was Einfluss auf die Höhe des Strafmaßes nimmt.
Vor allem in vielen östlichen Mitgliedsstaaten wie Tschechien und Ungarn gilt ein generelles Alkoholverbot am Steuer, was aufgrund von geringen Alkoholmengen in Speisen und manchen Medikamenten besondere Vorsicht bei Autofahrern voraussetzt.
Am wenigsten streng sind die Briten sowie einige wenige andere Länder mit einer Promillegrenze von 0,8, wobei in England andererseits die Bußgelder von durchschnittlich (umgerechnet) 6.400 Euro im Vergleich zu Deutschland um ein Vielfaches höher angesetzt sind.
 
 

Vorsicht im Urlaub


In jedem Fall sind Touristen dazu angehalten, sich vor ihrem Urlaub über die örtlichen Vorschriften und Regelungen bzgl. Alkohol am Steuer zu informieren, da hier teilweise empfindliche Strafen drohen.
In Schweden beispielsweise liegt die Grenze bei nur 0,2 Promille. Zudem dürfen hier Promilletests ohne Verdacht durchgeführt werden, Überführten drohen teilweise Haftstrafen.
Generell gelten die skandinavischen und baltischen Staaten als sehr hart bei der Durchsetzung von Alkoholrichtlinien, vor allem im Vergleich zu den hier eher liberalen mitteleuropäischen Ländern.
Selbst wer zum ersten Mal alkoholisiert am Steuer erwischt wird, muss neben einem Lehrgeld auch einen Monat lang den Führerschein abgeben.
Manchmal ist es für uns schon schwer zu erkennen, was bei unseren Nachbarn überhaupt eine Straftat ist: Wer sich in Amsterdam über einen kostenlosen Parkplatz freut, wird später in die Tasche greifen müssen, da es hier ausschließlich Bezahlparkplätze gibt, die für Deutsche nicht immer sofort als solche erkennbar sind.
 
 

Skurrile Regelungen im Ausland


Einige ausländische Regelungen muten besonders skurril an: In Dänemark sind Autofahrer zum Beispiel gesetzlich dazu verpflichtet, vor dem Starten ihres Wagens nachzuschauen, ob sich nicht unter der Karosserie ein Mensch befindet, um sich auszuruhen.
Auch wurden hier als Reaktion auf die Unfallquoten besonders drastische Maßnahmen gegen Verkehrssünder getroffen: Wer von der dänischen Polizei mit mehr als 2 Promille erwischt wird, muss sein Auto dem Staat überlassen, der es zur Versteigerung freigibt.
Gleiches blüht Alkoholsündern in Italien bereits ab 1,5 Promille, und in Frankreich mussten Autofahrer zeitweise gleich ihren eigenen Alkoholtester mitführen.
In Kroatien muss bei jedem Unfall im Straßenverkehr die Polizei gerufen werden, während dies in Österreich nicht gern gesehen wird, wenn lediglich ein Sachschaden verursacht wird und die Beteiligten alle Informationen untereinander hätten austauschen können: Wer hier trotzdem die Polizei verständigt, muss eine sogenannte "Blaulichtsteuer" entrichten.
 
 

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Wer im Urlaub ist, kommt meistens um ein Glas Wein oder einen Schluck Schnaps im Restaurant nicht herum.
Doch wer zu Gast ist, sollte sich über die Regeln des Gastgebers informieren und sie respektieren, und das gilt auch und insbesondere für Alkohol-Beschränkungen im Straßenverkehr.
Unfälle im Ausland gestalten sich bereits bei leichten Fahrzeugschäden als äußerst problematisch und unangenehm.
Gleichzeitig drohen teilweise sehr viel höhere Bußgelder als in Deutschland und die falsche Einschätzung ausländischer Promillegrenzen.
Wer meint, dass man im Ausland ungestraft „sündigen“ kann, irrt: Seit 2010 verfolgen einen in einem anderen EU-Land ausgestellte Bußgelder ab einem Wert von 70 Euro auch im Heimatland.
Selbstverständlich sollte die legale Obergrenze nie ausgereizt werden, wer aber einen Überblick zu Promillegrenzen und Verkehrsstrafen bei unseren europäischen Nachbarn haben will, wird bei der unten verlinkten Infografik des ADAC fündig (Stand 2017).
Grundsätzlich ist aber der beste Ratschlag, sich vom Steuer seines Fahrzeugs fernzuhalten, wenn man alkoholisiert ist: Ob in Deutschland oder im Urlaub.
 
 

Quellen und weiterführende Informationen:
ADAC: Promillegrenzen in Europa (mit Übersicht der jeweiligen Strafen)
ADAC: Alkohol und Straßenverkehr (betrifft Deutschland, mit Informationen zu möglichen Konsequenzen)
Zeit Online: Alkohol am Steuer: Wie viel Promille dürfen es sein? von Susanne Kilimann
Autoextrem.de: Alkohol: Promillegrenzen und Strafen in Deutschland und Europa - Überblick und Tipps von Gunter Amonn